Diesen Text habe ich aus einem der alten Start Fanzines ausgegraben und ich denke das dieser Artikel gut zum kommenden "Flamingo fever" passt. Obiges Bilmaterial stammt aus meiner privaten Sammlung.
Zünd'z Euch an Chic an und viel Spass damit...



ausg‘steckt is!
Die Geschichte der Höferle-Partie.

Text: Herbert Hofbauer

Es begann alles im Frühjahr 1980. Ich ging damals noch in die Berufschule, wo ich Robert Ginder kennenlernte, der mit mir in die gleiche Klasse ging. Damals war gerade die Ska-Welle, und wir entdeckten, daß wir die einzig normal gekleideten in der Klasse waren, denn diese bestand ausschließlich aus Glockenhosen- und Natojackentragenden Heini Hinzemännern.

Da wir natürlich immer smart gekleidet waren, wurden wir von den primitiven Steinzeitmenschen in unserer Klasse stark angefeindet. Eines Tages erführen wir von einem Mod-Lokal in der Färbergasse. Es war natürlich das legendäre (alte!) Blitz. Dort lernte ich Helmut Schätzl kennen, den Ginder schon länger kannte. Im Blitz spielte man Madness, Specials und andere Two-Tone Gruppen. Als wir öfters hingingen lernten wir auch gewisse Typen, die später unter den Namen Psycho und Eierkopf berühmt und berüchtigt waren, kennen.

Da auch sie dem Bier nicht abgeneigt waren, freundeten wir uns schnell mit ihnen an. Wie man heute weiß , eine sehr verhängnisvolle Freundschaft. Ihre Freunde waren Alex (Grindinger), Kurtl und dessen Bruder. Diese Typen wird aber heute keiner mehr kennen. Wir waren also alle bald dicke Freunde, bis im Sommer 1980 die bisher (hoffentlich) die einzige Krise kam. Wir zerstritten uns, und unsere Wege trennten sich. Bis wir (Ginder und ich) sie eines Tages im Herbst in der Disco-Scheiße PSI trafen. Sie waren inzwischen wieder Discoflipper geworden. Als wir beschlossen gemeinsam auf ein Bier zu gehen, sprachen wir uns aus. Und siehe da wir hatten sie schnell davon überzeugt wieder Mods zu werden. Nun begann unsere eigentliche Karriere. Schnell hatten wir unsere zugegeben anfangs noch pseudohafte Kleidung abgelegt, und los gings. Inzwischen war auch Alex Bogner und der allseits beliebte, leicht verrohte Fleischi zu uns gestoßen. Bald schon machten wir uns einen zugegebenen negativen Namen indem wir alle möglichen und unmöglichen Leute verprügelten, viel soffen und uns überhaupt nicht von der besten Seite zeigten.

Aber das war einmal und ist uns bis heute ziemlich egal. Da Ginder und ich damals natürlich mit Anzug und Parka in die Schule gingen, waren wir dort (seltsamer Weise? HiHi!) nicht sehr beliebt. Denn wir waren die einzigen in dem Scheißhaufen von Primitiven, die normal aussahen.

Silvester 80/81 wurde, wie man sich vorstellen kann, sehr ausgelassen gefeiert. Um diese Zeit begannen wir unser erstes Hauptquartier auf der (inzwischen zur Kultstätte gewordenen HiHi!) "Landinger" zu errichten. bald schon stieß ein häßlicher langer Kerl, der sich Igel nannte, zu uns. Die folgenden Monate waren gezeichnet von Schlägerein, wüsten Saufgelagen, Wahnsinnstaten und Ähnlichem. Im April bekam ich meine Vespa. Leider wurde ich schon am zweiten Tag aufgehalten und musste einen Alko-Test über mich ergehen lassen. Ergebnis: 6.000 S Strafe. dies waren auch die Move und Carltozeiten. Frühjahr und Sommer 81 waren überhaupt unsere Glanzzeit, kann man sagen. Oft waren wir durch Mitläufer und Mösen bis zu 30 und mehr Leute auf der "Landinger". Auch ein "bunter" (Neger!) namens Geoffry war in unseren Reihen vertreten. Er war unser Parade-Rude-Boy. Auf der Landinger hatten wir auch den heute geheimnisumwitterten "Manhattan-Piss". Dies war unsere eigene Bedürfnisanstalt. Wehe ein Sandler beschmutzte sie! Der wurde sofort auf dem dort befindlichen Gerüst gehängt. Dieses obligate Gerüst war überhaupt sehr beliebt. Wir turnten wie die Affen darauf herum, und sabberten unsere Biere darauf. Unterbrochen wurde diese Idylle öfters durch ein paar vorlaute Prolos, die wir aber schnell mal bearbeiteten (HäHä)! Überhaupt zogen wir um diese Zeit leicht erfrischt, durch die Kärntner Straße zum Donnerbrunnen um diese Stinker niederzumetzeln. Es war immer ein Riesenspaß. durch diese Aktionen wurde unser Kern (Hofbauer, Psycho, Eierkopf, Ginder, Fleischi, Bogner) natürlich unzertrennlich. Wir hatten jetzt zwar fast alle eine Vespa, aber oft ließen wir sie infolge Fahrunfähigkeit (warum wohl?) stehen.

Im Sommer 81 fuhren wir gemeinsam nach St. Gilden in den Urlaub. Wie sich jeder vorstellen kann, ein sehr wahnwitziger. Z.B. nach der Ankunft im Pyjama ins Dorf und ähnliche Aktionen. Nach dem Urlaub ging es in gewohnter Weise weiter. Damals inszenierten wir auch viele Ausflüge Der bemerkenswerteste war wohl der im September nach Mödling. Nachdem ich von ein paar Bauerntölpeln eine aufs Maul bekommen hatte, rotteten meine Freunde halb Mödling aus. Als Fleischi keinen mehr erwischen konnte, zermalmte er halt ein Verkehrsschild. Sehr geistreich!

Im November 81 kam für mich persönlich ein sehr schwerer Schlag. Meine Firma ging in Konkurs und ich wurde arbeitslos. Silvester 81/82 versabberten wir bei Ginder. Bilanz: Eine halb gesprengte jugoslawische Hausbesorgerwohnung, ein durch sprengen erbeuteter Kaugummiautomat, u.s.w. Bogner und ich glänzten durch eine besondere U-Bahnaktion. Fleischi verwechselte Ginders Sofa wieder einmal mit dem Pissoir, Psycho zermalmte eine Platte von mir, der Rest berauschte sich an den vielen Getränken, und um 12 Uhr wurden die Leichen zum Leben erweckt. Man drückte ihnen (darunter leider auch ich) ein Glas Sekt in die Hand das sie auch brav aussabberten, um jedoch danach gleich wieder in Agonie zu verfallen. In der Früh wachte ich mit zerbrochenen Krankingern, einem blauen Auge und einer schiefen Nase auf.

Um einmal die Sache Frauen zu erwähnen, dieses Kapitel ist bis auf ein paar Ausnahmen weitgehen dunkel. Der größte Frauenheld ist bis heute unser Psycho. Er hat vielen Mädchen das Hertz gebrochen (HäHä)!

Überhaupt für alle die es nicht wissen sollten, woher die Spitznamen kommen: Eierkopf — na ja, ein Blick genügt, Psycho — seine psychopathischen und hysterischen Art wegen, Balloni — durch seine vollschlanke Figur.

Nun weiter in der Historie. Im April kam ich zum Bundesheer. Da sie mich dort aber nicht sehr lieb hatten, warfen sie mich nach 5 Monaten raus. Inzwischen waren wieder die Atriumzeiten ausgebrochen. Jetzt waren auch Zachi und Kreissl zu uns gestoßen. Im November 82 machten wir durch eine besondere Aktion, die sogar in der Zeitung stand, von uns reden. Die berühmte "Doppler-Action". Vorher im Juli gabs das nicht weniger lustige "Auto-Crash". Im Winter begann für ein paar von uns eine lächerliche Entgleisung. Sie spielten Teps äh Teds. Wir übersiedelten ins "Taxi". Da unsere Vorweihnachtsfeier etwas zu heftig ausfiel, bekamen wir danach Lokalverbot.

Silvester 82/83 lehnten wir öd im Move herum. Jänner/Februar wurden wir auf das Flamingo (Kleistgasse) und ich auf ein neues weibliches Wesen aufmerksam. Da die alten Flamingozeiten ja sattsam bekannt sind, und jeder weiß, was sich dort abgespielt hat, brauche ich dazu nichts mehr hinzuzufügen. ... Gröl, Sabber, Lechz! Ungefähr im März musste das Flamingo seine Pforten schließen, dafür öffnete das Shangri-La seine Tore. Der Besitzer war ein übriggebliebener Alt-Hippie mit Matratze im Gesicht. Um diese Zeit war in der Mod-Bewegung der Dampf längst raus. Im Sommer übersiedelte das Flamingo in den supergeilen wahnsinnig schönen 9. Bezirk.

Eine Delegation machte im Urlaub St. Gilgen unsicher. Die allseits geliebten eiervernichter Eierkopf, Psycho, Zachi, Kreissl und Öhm (Maxi Böhm) kamen allerdings schon nach einer Woche zurück, da man sie in keiner Pension mehr wohnen ließ. Was zur Folge hatte, daß Zachi der sich nicht nach Hause traute (aus Schiß vor seinem Vater), Kreissl, Momo und ich zu Psycho und Eierkopf zogen. Wir veranstalteten auch Fernsehabende, die für manchen jedoch unter dem Tisch endeten. Ginder und Bogner leisteten inzwischen den Dienst für s Vaterland. Zu dieser Zeit hatten jedoch alle den Ausrutscher mit Ted spielen aufgegeben. Nun begann wieder eine glorreiche Ära im neuen Flamingo, die wieder sehr ereignisreich und lustig wurde. In diesen Abschnitt fallen ein Selbstmordversuch von Eierkopf, Gerüchte einer bevorstehenden Vermählung meiner Wenigkeit, Psychos mißlungener Auftritt als Bauchredner, lustige Nächte nach Flamingosperrstunde im Cafe Haller und eine kleine Hackebeilchenaktion in einer Wohnung im 9. Bezirk. Welches zur Folge hatte, daß es bei uns Mode wurde, lustige kleine Mordwerkzeuge bei uns zu tragen.

Im Oktober dieses Jahres wurde im Flamingo eingebrochen, worauf es schließen musste. Wir übersiedelten daraufhin zum "Titschkerlwirt" eine Gasse weiter. In der letzten Zeit gab es einen lustigen Auftritt im Metropol und geile Einzelaktionen meiner Zechbrüder. Das renovierte Flamingi hat jetzt wieder eröffnet, ansonsten ist es in der letzten Zeit etwas still um uns geworden, da wir alle reifer und älter geworden sind (Ha)! Die wilden Tage sind vorbei, (auch bei uns ist der Dampf raus) aber wir lieben (lechz!) uns immer noch.

Bitte den Schluß nicht falsch auffassen (würg, %&&==).

 

(obiger Text stammt aus dem START Fanzine Frühling 1984)